Die Gewinner-Texte des Schreibwettbewerbs

Die Resonanz hat alle überwältigt: Rund 90 Kurzgeschichten trafen beim Kurzgeschichten-Wettbewerbs der 36. Baden-Württembergischen Literaturtage ein, darunter auch Zusenden aus Frankreich und der Schweiz. Den Wettbewerb hat die Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung mit der Stadt Öhringen ausgeschrieben. „Über Grenzen“ lautete analog zum Motto der Literaturtage das Thema. Eigentlich hätte die Jury vier Preisträger wählen sollen. Doch vor allem die Texte der jugendlichen Teilnehmer waren so gut, dass das Auswahlgremium, bestehend aus Markus Hassler (Buchhandlung Rau), Irina Dorsch (Stadtbücherei), Tamara Ludwig und Yvonne Tscherwitschke (Hohenloher Zeitung) spontan einen zweiten Jugendpreis ausgelobt hat. Die Preise bestehen aus signierten Büchern und Gutscheinen für die Hohenlohe’sche Buchhandlung Rau.


Erster Preis geht an Teresa Keller

Teresa Keller mit Uwe Ralf Heer, Chefredakteur der Heilbronner Stimme, bei der Preisverleihung am 24. Oktober 2019.

Der wohl literarischste Text im Wettbewerb ist aus der Feder von Teresa Keller. Die 22 Jahr alte gebürtige Öhringerin lebt zwischenzeitlich in Heidelberg und hat mit „Drahtseilakt“ eine Geschichte geschrieben über zwei Mädchen, die sich an ihre gemeinsame Zeit erinnern, an die Brücke unten am Fluss. An diese letzten Regentage. Die sind „Voll Melancholie, irgendwann ein Arthausfilm. Menschen rennen, Tabakgeschäft, einmal Karo bitte, Wäsche auf de Wäscheleine, aufgeweichte Kippenstummel in draußen vergessenen Kaffeebechern, schlammige Füße, schwüles Badezimmer, blinder Spiegel, ungemachtes Bett anschließend. Die sich erinnern an ihre Freundschaft und den Mauerfall. „Ein Tag im November. Und es wird Frühling“. Eine schöne Geschichte, so kurz vor dem 9. November 1989, die Gänsehaut bereitet. Die Jury prämierte die Erzählung von Teresa Keller mit dem ersten Preis.


»Drahtseilakt / Thema für Louise«

Hier können Sie die Gewinner-Kurzgeschichte nachlesen. Sie finden ein DIN-A4-PDF.


Weitere Preisträgerinnen und Preisträger

Anna-Lena Eißler (13), Niedernhall

Anna-Lena Eißler ist die Gewinnerin des Jugendwettbewerbs mit ihrem Text „Papa“. Papa soll sie zu Daniel sagen, dem Mann, den Mama erst vor drei Jahren kennengelernt hat. Dabei ist für Melanie, die lieber Mel genannt werden will, das Wort Papa doch vor vier Jahren in einer glänzenden Holzkiste mit Blumen in einem Loch verbuddelt worden.


Leonie Berger (16), Ailringen

Die Geschichte „Keine Grenzen mehr“ aus der Feder von Leonie Berger ist ebenfalls höchst emotional. Deshalb wurde für die 16 Jahre alte Leonie Berger aus Ailringen spontan ein zweiter Jugendpreis ausgelobt. Sie beschreibt eine düstere Geschichte, die erschreckt, aber auch berührt. Die Geschichte erinnert an eine Szene aus „Homeland“, man hat aber auch ein Computerspiel vor Augen, während man die Sätze liest, die von Rache, Hass, von einer unglaublichen Grenzverletzung erzählen.


Patrick Setzer (21), Künzelsau

Ebenfalls noch sehr jung ist der Drittplatzierte im Hauptwettbewerb. Patrick Setzer (21) aus Künzelsau hat „Wir sind nicht alle Welt“ eingereicht. Darin beschreibt er ein Leben auf dem Land, „zwischen kleinen Schachtelhäusern, in denen die Alten dahinsiechen und vermoderte dicke Luft aus gekippten Fenstern sich mit Landluft vermischt. Und er weiß: Er wird mit diesem Dorf zugrunde gehen“.


Nadine Baumann (42), Karlsruhe

Russisch Roulette spielt Nadine Baumann (42) aus Karlsruhe mit „Kopf oder Zahl“. Auch dieser Text hat Blut, Gefühl und ganz viel Spannung. Sie beginnt mit einem Münzwurf – alleine diese Symbolik ließ die Jury aufhorchen. Die Spannung hält sich bis zum Schluss.