Mehr als nur ein Thema: »Über Grenzen«

Grenzen sind schon etwas Eigenartiges. Zum einen machen sie klar: Hier geht es nicht weiter, man muss stehen bleiben. Sie lassen ein Hier und Dort, ein Jenseits und Diesseits, ein Hüben und Drüben entstehen. Doch zugleich schaffen sie ganz klangheimlich oder auch mit lauter Leidenschaft den starken Wunsch: Dass sie überwunden werden. Was liegt hinter einer Mauer? Welches Geheimnis birgt das Unbekannte? Wie denken, fühlen und leben andere Menschen?
Mit Grenzen ist Öhringen gut vertraut – seit knapp zweitausend Jahren schon. Denn direkt durch das sympathische Städtchen, mit der es die Landschaft, das Klima und die Lebensfreude so gut meinen, verläuft der Limes. Jener große Grenzwall, mit dem die Römer versuchten, sich und ihrem Reich Sicherheit zu verschaffen. Was für eine tollkühne Idee!
Wenn man sich dieses antike Vorhaben näher anschaut, kommt man unweigerlich zu »modernen« Grenzziehungen: Wer gehört zu uns – und wer nicht? Was ist Kultur – und was nicht? Was ist normal – und was nicht? Wo hört der Spaß auf – und wo beginnt der Ernst?
Es ist an der Zeit, Grenzen infrage zu stellen, sie bewusst zu machen, sie abzuklopfen, vielleicht auch sie zu überspringen. Wer könnte das besser als die Literatur?

 

Alles, was verbindet – das Konzept

»Was ist denn eigentlich Literatur?« – in der Vorbereitung stand auf einmal diese Frage im Raum und sofort entfaltete sich eine leidenschaftliche Diskussion. Darf nur ein Gedicht und ein Roman als Literatur gelten? Was ist mit gesprochenem Wort? Oder ist es schon eine Ikea-Anleitung, die sich derart ungewollt-sprachlich-kreativ den Inhalten eines Aufbauprozesses widmet, dass sie schon als Literatur durchgeht? Die Diskussion machte uns klar: Literatur sind Texte, die Menschen berühren, zum Nachdenken anregen, zum Weitererzählen einladen, auch mal Lachfalten erzeugen und zum Fühlen neuer (und ganz alter) Gefühle führen. Kurzum: Literatur verbindet.


Die Kuratoren


Unzählige Ideen, schräge und geradlinige Veranstaltungskonzepte und Begegnungen mit interessanten Persönlichkeiten: Das Programm der 36. Baden-Württembergischen Literaturtage fällt nicht vom Himmel. Sondern dahinter stehen Menschen, die alles bündeln und alles zu einem großen Ganzen schnüren. Über die beiden Kuratoren, Markus Hassler und Stefan Weigand, erfahren Sie hier mehr.